Ermordung aller Männer – Offener Brief zur Aspekte-Sendung vom 3. November 2017

An: aspekte@zdf.de
An: zuschauerredaktion@zdf.de

Sehr geehrter Herr Schück, sehr geehrte Frau Sallié,

leider bin ich erst jetzt auf die Themen der Aspekte-Sendung vom 3. November 2017 aufmerksam geworden, weswegen ich mir diese Sendung aus der ZDF-Mediathek angesehen habe. Besonders interessierte mich der Beitrag „Diese Radikalität fehlt uns heute“ (ein Gespräch mit Christiane Rösinger über Feminismus und #MeToo), in dem es um das SCUM-Manifest von Valerie Solanas geht; ein Ausschnitt des Gesprächs wurde in der Sendung eingespielt.

In diesem Ausschnitt sagt Frau Rösinger: „Natürlich ist es übertrieben, alle Männer umbringen zu wollen. Das geht ja aus rein humanitären Gründen nicht. Aber …“ An dieser Stelle bin ich leicht zusammengezuckt: Männer nicht umzubringen ist für Frau Rösinger also ein Akt der Barmherzigkeit; nicht der Wert eines Menschen an sich verbietet, alle Männer zu töten, sondern sondern weibliche Großherzigkeit.

Das darauf folgende ‚Aber‘ wird erst ab der 3. Minute genauer erklärt: Auf die Bemerkung aus dem Off: „Mann sein heißt kaputt sein … Kann das sein, dass da was dran ist?“ antwortet sie nach kurzer Überlegung: „Ja, ich denke schon. Es gibt auch viele andere schöne Zitate: dass Männer eben nicht zur Empathie fähig sind, gefühlloser Glotzmist, wandelnder Misthaufen, im Niemandsland zwischen Affe und Mensch stehen geblieben …

Das also gefällt Frau Rösinger. Wie ist so eine Aussage einzuordnen?

Der psychologische Kern von Faschismus ist die Unterscheidung in Herrenmenschen und Untermenschen, in wertes und unwertes Leben. Herrenmenschen verfügen danach über das natürliche Recht Untermenschen wie Sachen behandeln zu dürfen, weil Untermenschen geringer an Wert oder unwert seien – diese Unwertigkeit des Mannes führt Frau Rösinger im Detail aus. Valerie Solanas empfiehlt Männern darum in ihrem Manifest Gaskammern für einen schmerzlosen Tod – vielleicht kommt das ja doch noch Frau Rösingers Vorstellung von Humanität entgegen.

Für mich ist dieses Gespräch starker Tobak.

Was mich aber letztlich überrascht ist nicht, dass Menschen solche Ansichten haben; das 3. Reich ist ja noch nicht so lange vorbei, als dass man sich nicht mehr erinnern könnte. Auch erschreckt mich nicht, dass so etwas im Fernsehen gesagt werden darf; das gehört zu unseren demokratischen Errungenschaften, die mir wichtig sind. Was mich betroffen macht ist die Abgestumpftheit der Moderatoren, die bei ihrer Mikroskop-Sicht auf selbst gewählte Aspekte der Gesellschaft nicht mehr wahrnehmen, welche Ungeheuerlichkeiten in ihrem Umfeld und sogar in ihrer Sendung gesagt, oder – per Mediathek – zu ihrer Sendung veröffentlicht werden.

Sich alle Männer tot zu wünschen und diesen Wunsch äußern und begründen zu dürfen ist eines; mit so einer Aussage – öffentlich geäußert – keinen #Aufschrei auszulösen, etwas ganz anderes. Hätte Frau Rösinger statt ‚Männer‘ ‚Juden‘ gesagt oder gar ‚Frauen‘, hätte das in unserer sensibilisierten Medienlandschaft vermutlich eine Welle der Entrüstung mit eigenem Hashtag ausgelöst, die Moderatoren wären zutiefst betroffen gewesen.

Zwar bin ich angesichts solcher Unsensibilität nicht geschockt – mir wurde ja kein unerwünschtes Kompliment gemacht – aber ich bin doch ein wenig betroffen, dass es niemanden mehr aufzuregen scheint, solche Hetze unkommentiert im Fernsehen hören zu müssen. Insbesondere von Ihnen, den Moderatoren der Sendung, hätte ich da zumindest etwas gespielte Empörung erwartet.

Herr Schück wünscht sich zu Beginn der Sendung, „dass nun endlich dieses System ins Wanken gerät, …“  Wenn sein Wunsch in Erfüllung geht könnte es allerdings sein, dass er den glorreichen Start ins 4. Reich gar nicht miterleben darf …

Um Ihrer Versuchung, diese Äußerungen eines alten, weißen Mannes gleich zu entsorgen, entgegen zu wirken, habe ich mir erlaubt, dieses Schreiben als offenen Brief auch an weitere Adressaten zu senden. Vielleicht erhöht das ja die Wahrscheinlichkeit dem Papierkorb zu entgehen; unsere Medien sind ja nicht gleich-geschaltet.

Hochachtungsvoll,
Reinhard Heisterhagen

 

Schreibe einen Kommentar