Kann man Anti-Feminist sein – oder muss man sogar?

Am 17. Feb. 2019 konnte man im ZDF (‚Heute‘) hören, wie Gelbwesten einen Juden antisemitisch beleidigten – und Sekunden später gab es Interviews mit anderen Gelbwesten, die sich entschieden von diesen Antisemiten distanzierten. Wenige Minuten danach sah man in ‚Berlin direkt‘, wie die AfD versuchte, sich von Rechtsextremen in ihren eigenen Reihen zu distanzieren, Parteiausschlussverfahren laufen. In der Vergangenheit hatte die SPD – leider erfolglos – versucht, sich von Thilo Sarrazin zu trennen. Das sind ein paar Beispiele dafür, dass Gruppen versuchen sich abzugrenzen gegen unerwünschte, extreme Ausleger.

Jetzt werfe ich mal einen Blick auf ‚Die Feministen‘: nehmen wir Andrea Dworkin, die neben vielem anderen sagte: „Ich möchte einen Mann zu einer blutigen Masse geprügelt sehen, mit einem hochhackigen Schuh in seinen Mund gerammt wie ein Apfel in dem Maul eines Schweins.“ (1) Selbstverständlich teilen nicht alle Feministen diese Äußerung, aber Alice Schwarzer z.B. – eine der Frontfrauen des deutschen Feminismus – schätzt Dworkin sehr: für sie ist sie eine „der bedeutendsten Theoretikerinnen des neuen Feminismus“ (2).

Noch extremer wird es bei Valerie Solanas, die für die Mehrheit der Männer die Gaskammer empfiehlt und nur einen Rest für Zuchtzwecke über lassen will (3). Das ist ganz offen faschistisch – und wie distanziert sich ‚Der Feminismus‘ von ihr? In Schweden wird ein Theaterstück nach Solana’s SCUM-Manifest an Schulen gespielt (4), Schülerinnen drehen ein Video in dem sie einen Mann ermorden und den Mord feiern (5) und in Berlin wird eine Art Musikal nach dem SCUM-Manifest im Deutschen Theater aufgeführt (6); Zitat einer Beteiligten: „Männer sind bei der Entwicklung zum Menschen „im Niemandsland zwischen Affe und Mensch stehen geblieben …“ „(7).

Feministen behaupten manchmal, das Manifest wäre ironisch gemeint, aber Valerie Solanas selbst sah das anders. In einem Interview beschreibt sie ihr Manifest in wenigen Worten und ganz ernst so:“

V.S.: That the males can’t love – they’re emotionally deficient, and because of these emotional deficiencies they fuck up the world. And all the evils of the world emanate from this male incapacity to love.
S: Well, since it’s called the Society for Cutting Up Men, is the answer to eliminate men?
V.S.: To eliminate them. Right. The first part of the manifesto is an analysis of male psychology, and the second part is like, you know, what to do about it.„(8)

Dworkin und Solanas werden übrigens von Feministen als Radikal-Feministen bezeichnet; fühlt sich an wie eine Art Ritterschlag.

Antje Schrupp reicht es nicht aus wenn die Hälfte der Mandate im Bundestag an Frauen geht, sie will eine Feministinnen-Quote, denn es müssen Feministinnen an die Macht, nicht Frauen (9), Justiz-Ministerin Barley verlässt den Boden unserer Verfassung und will den Parteien vorschreiben, wie ihre Listen aufgestellt werden müssen, während Silke Gebel, Fraktionsvorsitzende der Grünen, das einerseits begrüßt, es anderseits aber entschieden ablehnt sich dem selbst zu unterwerfen, da bei den Grünen schon mehr Frauen aufgestellt werden als Männer, und den Frauenanteil zu reduzieren kommt für sie selbstverständlich nicht in Frage! (10)

Betrachtet man die feministische Kriegsführung gegen ‚Das Männliche‘ im weitesten Sinne, findet man Lügen, Manipulation und Propaganda, die von der Propaganda des dritten Reichs gegen Juden und andere ‚Untermenschen‘ teilweise nicht zu unterscheiden ist, sowie innere Widersprüche, die den Feminismus eigentlich auf der Stelle zerreißen müssten; außer, der Zweck heiligt die Mittel und die ganzen Theorien haben nicht den Anspruch zu verstehen und zu erklären, sondern nur zu Manipulieren.

Wie geht man mit so einem Feminismus um, der Extremisten und Faschisten zu seinen Vorbildern macht statt sich davon entschieden zu distanzieren? Einem Feminismus der Demokratie und Verfassung nur dann respektiert, wenn es dem Erreichen der eigen Zielen dient?

Der Punkt um den es geht ist die Frage, wie wesentlich Faschismus als Bestandteil von Feminismus ist: eher ein krankhafter Auswuchs, den man trotz dauernder Versuche nicht los wird, oder wesentlicher Bestandteil, ohne den Feminismus nicht gedacht werden kann. Ich bin von letzterem überzeugt. Würde man alle faschistischen Tendenzen aus dem Feminismus entfernen, wäre er weg und es bliebe eine Frauenbewegung die sich für die Anliegen von Frauen einsetzt.

Als ich in den siebzigern auf die Frauenbewegung aufmerksam wurde, war ich natürlich dafür. Frauen wurden auf breiter Front als Menschen zweiter Klasse behandelt und das widersprach nicht nur dem Grundgesetz sondern auch meinem Selbstverständnis als Mensch. Als ich Alice Schwarzers ‚Kleinen Unterschied‘ las, fiel mir da gar nicht auf, dass ihr Antrieb Hass war und nicht, wie vorgeschoben, Menschlichkeit. Als mir erklärt wurde, biologische ‚Männlichkeit‘ gebe es gar nicht, dabei handele es sich um ein soziales Konstrukt, da habe ich gelacht über solche Dummheit – ein schwerer Fehler.

Es  hat Jahrzehnte gedauert bis ich den Plan dahinter verstanden habe: Was die Natur per Biologie vorgibt, kann nur schwer verändert werden, aber was sozial konstruiert ist kann auch wieder dekonstruiert werden. Das ermöglicht es, das ‚männliche‘ durch Umerziehung wieder aus der Welt zu entfernen.

Dieser Plan, das Männliche aus der Welt zu entfernen ist nicht von Solanas erfunden worden, sie hat ihn nur sehr drastisch formuliert; anzutreffen aber ist er bei Feministen jeder Zeit: mal als Vorstellung alle Männer umzubringen, mal als Idee der Umerziehung, manchmal als Vision der weiblichen Überlegenheit, die den Mann einfach als minderwertig aussterben lassen wird.

Ist das faschistisch? Über die Frage was Faschismus ist streiten sich die Gelehrten bis hin zu Historikern, die den Faschismus auf den Beginn der faschistischen Bewegung in Süditalien begrenzen wollen. Ich habe diese Frage für mich aber so beantwortet: was landläufig als Faschismus bezeichnet wird ist nur das Symptom einer bestimmten Weltanschauung. Dieses Weltbild ist der Kern des Bösen: Menschen werden als Sachen betrachtet, die, wenn man sie nicht brauchen kann, wenn sie im Weg sind, oder wenn sie tot mehr nutzen als lebendig, auf den Müll können. Dann gibt es keinen Unterschied mehr, ob sie als Opfermasse in den Krieg geschickt werden, als Forschungsgegenstand ertrinken müssen, als Behinderte den RoI schmälern, die falsche Hautfarbe, den falschen Glauben oder das falsche Geschlecht haben. Und ob man sie tötet, ausstößt, in Lagern um-erzieht, Kinder als Soldaten in den Tod schickt oder als Waffe gegen Ex-Partner instrumentalisiert ist dann letztlich zweitrangig.

Die rührige Feministin Sibel Schick hat übrigens aktuell, sehr energisch und kompromisslos den Hashtag #MenAreTrash verteidigt. Immerhin, sie hatte Gegner in den eigenen Reihen.

Natürlich sind auch hier, wie immer und überall, die Grenzen fließend und wo genau man seine persönlichen Grenzen ziehen sollte, ist nicht in einer Diskussion zu klären. Aber für mich gibt es da wirklich überhaupt keinen Zweifel: Faschismus, bzw. das zu Grunde liegende faschistische Weltbild, das es erlaubt, Menschen zu entmenschlichen, dieses Weltbild ist wesentlicher Bestandteil der Feministischen Bewegung.

Natürlich wird dadurch jetzt nicht jeder sich selbst Feminist nennende zum Faschisten. Aber niemand wird heute gezwungen, sich als Feminist zu bezeichnen; wer das tut, tut es freiwillig und sollte sich über das informieren was er tut, insbesondere, wer schon im Boot sitzt. Wie jeder, der in die AfD eintritt, das auch tun sollte. Ein „Ich bin zwar in der AfD aber nicht rechts und der Höcke ist keiner von uns (oder: „kenne ich nicht““ wäre als Ausrede nicht akzeptabel. Zwar ist ‚Der Feminismus‘ keine Partei in die man eintreten kann, aber jedes Bekenntnis dazu hat nur Wert, wenn man es ernst nimmt. Ich tue das: Wer sich als Feminist*in bezeichnet, bekennt sich zu einer in wesentlichen Teilen offen-faschistischen, antidemokratischen Vereinigung. Da kann ich nur Anti-Feminist sein.

Die einzige Frage die sich mir dabei noch stellt ist, ob die ‚Antifeministen‘ selbst schon den Status einer Vereinigung haben, über die ich mich erst ein mal informieren müsste, bevor ich ihr ‚beitrete‘. Das ist meiner Ansicht nach aber nicht der Fall, denn ich sehe da keine Organisationsstrukturen wie bei den Feministen und keine Galionsfiguren die öffentlich die Rolle von Führer*innen spielen. Ich sehe da nicht mal eine Bewegung drin, nichts dem man beitreten könnte. Das ‚Anti‘ bringt nur ein Dagegen-sein zum Ausdruck, ohne diejenigen, die dagegen sind, zu Einen und zu einer Gruppe zu formen.

Feministen dagegen betrachte ich als greifbare Gruppe, als Feinde einer friedlichen, toleranten Gesellschaft, mal aktiv-faschistisch, mal eher passiv und dumm; aber wer sich davon nicht aktiv und glaubwürdig distanziert, ist für mich Feind, nicht Gegner.

Hier ein paar Quellen (Stand März 2019):

1. https://de.wikimannia.org/Andrea_Dworkin
2. https://cora-stephan.blogspot.com/2010/12/zur-porno-kampagne-von-alice-schwarzer.html
3. https://www.amazon.de/S-C-U-M-Manifest-Gesellschaft-Abschaffung-M%C3%A4nner/dp/3865726666
4. https://zeiger.wordpress.com/2011/11/12/scum-als-schultheaterstuck-in-schweden/
5. https://zeiger.wordpress.com/2011/11/19/goteborg-scum-girls/
6. https://www.deutschestheater.de/programm/archiv/f-j/feminista_baby/
7. http://feminismus.ne-ne-ne.de/2018/02/03/anzeige-gegen-das-zdf-wegen-volksverhetzung/
8. https://news.google.com/newspapers?id=5fZNAAAAIBAJ&sjid=OYsDAAAAIBAJ&pg=5629,1435379&dq=valerie-solanas&hl=en
9. https://uepsilonniks.wordpress.com/2016/10/22/antje-schrupp-wackere-streiterin-fuer-demokratie/
10. https://www.berliner-zeitung.de/berlin/zu-viele-frauen-das-besondere-problem-der-gruenen-mit-einem-berliner-paritaetsgesetz-32192028

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